Welcome to Israel

„Welcome to Israel“: Wer hätte gedacht, dass man diesen Satz auch dann noch häufig hört, wenn man schon gesagt hat, dass man Deutscher ist, nach allem was – na ja, sagen wir mal „vorgefallen“ ist, also historisch gesehen. Vergeben und vergessen? Ich weiß nicht, aber jedenfalls scheint man in Israel nach vorn zu schauen und nicht nachtragend zu sein.

Liegt vielleicht aber auch daran, dass die Bedrohung ja heute eher von anderer Seite zu kommen scheint. Immerhin kann man als israelischer Polizist nie ganz sicher sein, was man so erlebt und ob es nicht das letzte ist, was man erlebt. Es ist kaum zwei Wochen her, da ist eine israelische Polizistin nahe der Jerusalemer Altstadt bei einem Messerangriff tödlich verletzt worden und genau diese Nachrichten veranlassen manch einen Daheimgebliebenen anzunehmen, man verreise in ein Kriegsgebiet.

Mit einem Kriegsgebiet hat Israel allerdings wenig gemein. Natürlich fällt eine gewisse Militärpräsenz auf, was auch damit zu tun hat, dass sich gefühlt das halbe Land stets im Miltärdienst befindet. Dazu kommt noch, dass offenbar alle ihre Waffen mit nach Hause nehmen dürfen. Und man wundert sich, dass im Hostel beim Frühstück plötzlich ein halbwüchsiger in Shorts und Flipflops neben einem steht, dem eine TAR-21 über der Schulter baumelt. Was hat er damit vor? Im Hostel? Will er einen Kampf um die letzte Portion Shakshuka beginnen? Ich greife mal lieber zum Hummus, da ich heute gänzlich unbewaffnet am Buffet erschienen bin. Auf Nachfrage erklärte mir daraufhin ein Einheimischer, warum sie ihre Waffen nicht einfach in der Kaserne lassen: Na, ja, druckste er, die machen das vielleicht, um die Mädels zu beeindrucken. Kurz darauf sah ich ein 19-jähriges Mädel im Minirock mit einer M-16 umherlaufen. War ich beeindruckt? Nun ja, meine Aufmerksamkeit gehörte jedenfalls ganz ihr.

Ansonsten scheint mir Israel eher eines der sichersten – und nicht etwa der unsichersten – Länder zu sein. Obwohl in Tel Aviv (und Jerusalem) das Leben tobt, wie in New York oder Berlin, kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit völlig sicher durch jede Ecke der Stadt gehen. Vielleicht liefern die westlichen Medien ja doch nicht immer ein ausgewogenes Bild?

Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie es wäre, wenn man sich von Berlin ein Bild allein anhand der Serie „4 Blocks“ und der Polizeimeldungen machen würde? Die Bars in Neukölln wären sicher nicht ganz so überfüllt.

Trotz oder gerade wegen der eher spärlich gesäten Lobeshymnen über Israel, sollte man sich aber auf jeden Fall selbst ein Bild von diesem interessanten, vielseitigen aber auch komplizierten Land machen.

Aufbruch

Nicht nur Menschen befinden sich manchmal in Aufbruchsstimmung, auch Länder. Das Kosovo ist so ein Land. Der jüngste Staat Europas hat zweifelsohne einiges mitgemacht in der jüngsten Vergangenheit und der Gedanke, dort Urlaub zu machen fühlt sich noch nicht ganz vertraut an – aber was soll man machen wenn Flüge nach Lissabon am Himmelfahrtswochende gefühlte 5000 € kosten? Bestimmt nicht auf der Couch liegen bleiben.

Man kommt in ein Land, dass sich nach der turbolenten Vergangenheit langsam wieder sammelt. Damaged but not broken, sozuzusagen. So ist das eben: Der Krieg ist vorbei und das Leben geht weiter. Nur, dass das Kosovo im Gegensatz zu z.B. Vietnam nicht mit großartiger Natur und Sehenswürdigkeiten en masse aufwarten kann, so dass man als Tourist schon selbst eine kleine Sehenswürdigkeit ist. Was also tun drei Tage lang in einem Land, wo es im Grunde nichts zu sehen gibt? Ganz einfach, man tut das was man sonst auch tut. Ausgehen, sich unter die Leute mischen und sich vom Flow der Stadt treiben lassen und man stellt fest: Die überwiegend jungen Kosovarinnen und Kosovaren wissen gutes Essen, gute Drinks und gute Musik ebenso zu schätzen, wie man selbst. Warum bin ich überhaupt überrascht? Habe ich denn erwartet, dass alle fortlaufend schlecht drauf sind, nur weil es kein Berghain und am Flughafen keinen öffentlichen Nahverkehr gibt?

Das Gegenteil war der Fall: Obwohl sich der Lebensstandard deutlich von dem in Deutschland unterscheidet, konnte man durchaus eine Art Aufbruchsstimmung wahrnehmen. Die überwiegend sehr freundlichen Leute feiern ausgelassen in hippen Bars und Jazzclubs und man wünscht sich irgendwie, dass sie ihre Energie nutzen, um das Land ein wenig aufzumöbeln. #newborn

The great departure

Hin und wieder im Leben muss man irgendwohin aufbrechen. Vor fünf Jahren bin ich nach Berlin aufgebrochen. In Berlin kannte ich niemanden und ich wusste nicht, ob die Stadt es gut mir meinen würde. Keine leichte Entscheidung, aber die Neuerfindung des Selbst hat sich als äußerst bereichernd herausgestellt. Der neue Input war dringend erforderlich um mich neu auszurichten. Wer bin ich und was will ich?

Fragen, auf die ich auch heute keine Antwort habe und die mich noch immer täglich beschäftigen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich der Klärung etwas näher komme, obwohl ich ahne, dass es eine Lebensaufgabe ist. Gewissermaßen die Lebensaufgabe, die eigene Lebensaufgabe zu finden. Jedenfalls etwas, dass einem auf eine gute Weise Antrieb verschafft und damit die Antwort auf eine andere wichtige Frage liefert: Warum stehe ich jeden morgen auf?

Nach fünf Jahren in Berlin verspüre ich wieder Aufbruchsstimmung.

Dies soll ein Reiseblog werden. Der Bericht einer Reise um die Welt. Dauer und Ziel: unbestimmt. Nicht, um vor etwas davonzulaufen, sondern eher um auf etwas zuzulaufen (auf was auch immer). Und ein bisschen Wahrheit steckt sicher in der abgedroschensten aller Reiseweisheiten, dass jede Reise vor allem eine Reise zu sich selbst ist. Immer mal wieder wird es hier daher auch darum gehen, was man vom Reisen sonst noch für Erkenntnisse mitnehmen kann, außer die Eindrücke und Bekanntschaften, das Verständnis anderer Kulturen, das Gefühl der Freiheit und die Offenheit als Lebenseinstellung.