Today is the first day of the rest of my life

B: „Ähm, Chefin, haben Sie einen Moment?“

C: „Äh, ja, kommen Sie rein.“

B: „Ich habe leider schlechte Nachrichten.“

C: „Mhm.“

B: „Meine Zeit hier wird zu Ende gehen.“

C: „Mhm. Schade.“

Pokerface. Schwer zu sagen, was in ihrem Kopf vor sich geht. Enttäuschung? Ärger? Wut darüber, dass schon wieder einer die Kurve kratzt, den man ausgebildet und angelernt hat, damit er dankbar seine Arbeitskraft und sein Leben der Firma widmet?

Das Gespräch bleibt professionell und freundlich. Erklärungsversuche meinerseits. Äußerungen von Verständnis ihrerseits. Aufrichtiges Interesse an den wahren Gründen ist – jedenfalls oberflächlich – nicht erkennbar. Ich verstehe das ein Stück weit. Die Wahrheit wäre unschön; sie kann nur lauten: „Hier will ich meine Zukunft nicht verbringen.“ Beinahe bin ich froh, das nicht vertiefen zu müssen.

Mit den anderen Kollegen verläuft das Gespräch allerdings weniger distanziert. Man hat sich zu schätzen gelernt und die Enttäuschung ist aufrichtig. Es ist ein bisschen wie Schlussmachen. Aber das hier ist keine Beziehung; das hier ist Business. Man verkauft nicht seine Seele, nur seine Arbeitskraft – und zwar auf eine begrenzte Zeit. Heute endet sie.

Ist das die Freiheit, die wir wollten?

Ein gut bezahlter, unbefristeter Vollzeitjob in Berlin ist wohl der feuchte Traum von Manchem, der einst aus der Provinz in die Stadt aufgebrochen ist und jetzt im Sankt Oberholz vor seinem MacBook sitzt und versucht, irgendwie mit Medien Geld zu verdienen. Aber feuchte Träume halten nur selten, was sie in der Hitze des Moments versprechen und die Realität ist gründlich in ihrem Job als Entzaubererin.

Mitarbeiter

Die Sache mit dem Job ist die: Vollzeit bedeutet nicht selten „volle Zeit“ und gute Bezahlung bedeutet nicht automatisch Freiheit. Im Gegenteil: Es ist eine Einladung zur Unfreiheit. Größere Wohnung, am besten Eigentum, teurer Wein, teures Essen und überhaupt will man sich schließlich auch dafür belohnen, dass man nun ein Großteil dieses Lebens in einem Büro verbringt. Man konsumiert schöne Dinge, damit man nicht zu viel darüber nachdenken muss, dass man den Großteil des Tages unfrei ist. Dabei kriegt man manchmal gar nicht mit, wie sich die Unfreiheit fortwährend verfestigt; ein Treppenwitz.

Freiheit und Unfreiheit liegen manchmal sehr nah beieinander.