Reisende – Folge 2: Die Junggesellin 

Die Junggesellin darf trotz begrifflicher Verwechselungsgefahr nicht mit der Bachelorette in einen Topf geworfen werden, denn es handelt sich hier um eine ganz eigene Gattung von Reisenden.

Die Jungesellin gibt es nur in der weiblichen Form. Sie ist in fast allen Fällen zwischen 29 und 33 Jahren alt und – wenig überraschend – allein unterwegs. Sie hat im Schnitt die letzten sechs Jahre in einer Beziehung verbracht und ist dabei ein wenig zu tief in Träumereien von Kindern, Haus, Hund und weißem Gartenzaun versunken. Vor lauter Träumerei hat sie dabei allerdings einige wichtige Dinge übersehen, zum Beispiel dass ihre Beziehung sich in eine ganz andere Richtung entwickelt hat, nämlich ins Nirwana. Na ja, manchmal ist man eben blind und taub für das was offensichtlich ist und sei es, weil das ticken der biologischen Uhr lauter ist, als die Stimme der Vernunft. 

Ist am Ende aber auch egal, denn jetzt ist sie ja hier, am Ende der Welt und macht sich ein feines Leben von dem Geld, das sie eigentlich fürs Stäbchenparkett zurückgelegt hat. 

Emotional ist sie „damaged but not broken“, was sie prinzipiell zu einer interessanten Gesprächspartnerin macht, weil sie eine Geschichte zu erzählen hat. Sie ist grds. selbstbewusst und verfügt über ausreichend Lebenserfahrung, um eine anregende Unterhaltung zu führen, die über das übliche Traveller-Smalltalk-BlaBla hinausgeht. Naturgemäß muss sie gerade viel über „das Leben“ nachdenken, weshalb man mit ihr regelmäßig wunderbar über selbiges philosophieren kann. Jetzt, wo die Junggesellin mit einem Drink am Strand liegt, tut es ihr auch gar nicht mehr so furchtbar leid, dass sie die Katze nicht mehr jeden Tag füttern muss, sondern endlich mal ihr eigenes Ding durchziehen kann. Die Junggesellin weiß also, was sie will im Leben und strahlt doch gleichzeitig die Gelassenheit aus, die nur Leute ausstrahlen, die sich gerade selbst neu erfinden. Davon lasse ich mich gerne anstecken. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Junggesellin für jeden Scheiß zu haben ist, sei es fürs Feiern gehen, für Tagesausflüge, Museumsbesuche oder einfach nur zum quatschen beim Abendessen mit ein bis zwei Flaschen Wein. Sie ist also multifunktional einsetzbar, was sie zur idealen Kurzzeit-Reisebegleiterin macht.

Krieg und Liebe

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, heißt es. Die beiden extremsten Zustände menschlichen Daseins scheinen über alle Regeln erhaben zu sein. Über nichts werden mehr Lieder gesungen, Bücher geschrieben und Filme gedreht. Es sind die bestimmenden Themen der Menschheit und hier in Phnom Penh, Kambodschas Hauptstadt, suchen sie mich beide heim. 

Ein Unterschied zwischen Krieg und Liebe liegt darin, dass das Ende des Ersteren ein Grund zur Freude ist, während mit dem Ende von Letzterem das Drama erst in Fahrt kommt. In beiden Fällen bleibt ein Scherbenhaufen zurück.

Phnom Penh kann man nur als hochgradig unseriös bezeichnen und nicht wenige Backpacker, die ich getroffen habe, haben die Stadt gar als „Shithole“ bezeichnet. 

Wer sich bislang nicht mit dem Khmer-Rouge-Regime befasst hat, muss dies spätestens in der Hauptstadt tun. Alle Sehenwürdigkeiten hier stehen in der „Liste der deprimierendsten Orte der Welt“ entweder direkt vor oder nach Ausschwitz. Kein Detail wird ausgespart. Es ist nur schwer zu ertragen. Man möchte das Wort „beispiellos“ verwenden, aber traurigerweise ist es das ja nicht. 

Die Auseinandersetzung mit der Verwüstung und dem Genozid durch die Khmer-Rouge ist wahrlich schon verstörend genug. Aber in diesen Tagen werde ich zusätzlich noch von einer persönlichen Krise verstört.

Meine Beziehung hat die Reise nicht überlebt. Für sowas gibt es immer Gründe, aber immer ist es ein Desaster. Dass man die Tränen nicht zu Hause in sein eigenes Kopfkissen weinen kann, macht es keinesfalls besser.

Ich kann nur von Glück reden, dass die K. bei mir ist. Gibt es eigentlich eine Mastercard-Werbung mit Trennungssituation?

  • Luxushotel in Phnom Pen: 32$
  • Doppelter Scotch: 2$
  • Pizzalieferservice ins Hotel: 25$
  • Zigaretten (Original, nicht gefälscht): 1,25$
  • Passion Fruit Mojoto: 3$
  • geschätzte Person zum Reden, wenn man am Arsch der Welt ist: unbezahlbar.

Jaja, es gibt Dinge die kann man nicht kaufen.

Die K. ist es letztlich auch, die mich überredet, die restlichen Top-Schauplätze der Grausamkeit im Schnelldurchlauf abzufrühstücken, um am selben Tag noch den Zug raus aus dieser gottverlassenen Agglomeration des Elends zu erwischen.

Wir fahren ans Meer.