Auf Dinge scheißen

Auf Dinge zu scheißen gehört vielleicht zu den wichtigsten Tugenden heutzutage. Vor allem, wenn man – wie ich – von Soziologen  als Angehöriger der Generation Y klassifiziert wird; bekanntermaßen ja eine Gruppe von Menschen, die ob der unendlichen Möglichkeiten am Leben schier verzweifeln. Wohl also dem, der die Gelassenheit hat, sich um gewisse Dinge einen Dreck zu scheren.

Das ist gar nicht so einfach, wie wir gerne behaupten. Zwar versichern wir uns nur zu gern, was Andere von uns denken, sei uns egal, aber wer kann es sich schon leisten, auf die Meinung des Chefs zu scheißen? Oder wann bist du das letzte Mal ohne Hose zur Arbeit gekommen? Und ist unsere gesamte Existenz nicht völlig bedeutungslos ohne die Wertschätzung und Achtung unseres sozialen Umfelds? Vor allem die Meinung unserer Freunde ist uns deshalb auch meistens ganz und gar nicht egal. Und gerade die, die am vehementesten betonen, wie sehr sie darauf scheißen, was die Anderen von ihnen denken, habe ich im Verdacht, dass sie sich besonders darin gefallen, von eben diesen Anderen als unabhängige Freigeister wahrgenommen zu werden.

Wenn ich den Leuten erzähle, dass ich eine Weltreise plane, dann hat jeder ein paar gute Ratschläge parat. „Dort musst Du unbedingt hin …“ oder „Da darfst Du auf keinen Fall hin, alles voller Touristen“.

Ich muss aber erstmal gar nichts. Ich muss höchstens sterben, aber das habe ich in absehbarer Zeit nicht vor – wobei das immerhin eine Reise an einen Ort wäre, an den wirklich noch kein Tourist zuvor einen Fuß gesetzt hat.

Es scheint, als seien Reisen und Erlebnisse die neuen Statussymbole. Nicht mehr: „mein Auto, mein Pool, mein Haus“ sondern, „meine Südamerikareise, meine Afrikareise, meine Nordkoreareise“ – von Thailand gar nicht zu reden, da fährt ja nur noch der Pauschaltouristenpöbel hin. Du hast also 12 Länder in drei Monaten „gemacht“? Du hast diesen oder jenen Flecken der Erde ganz bestimmt schon erkundet, bevor die Massen kamen? I dont’t give a fuck!

Ich werde nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen, ich werde die Qualität der Reise nicht nach der Anzahl der Stempel in meinem Reisepass messen, ich werde auch nicht um jeden Preis couchsurfen (vielleicht aber auch doch) und ich werde auch nicht abends weinend in der Dusche sitzen, falls ich mal versehentlich einen Ort bereise, an dem schon ein oder eine Million Touristen vor mir waren. Mein Statussymbol wird höchstens die Freiheit sein.

Ich werde einfach machen, wonach mir der Sinn steht. Vielleicht bleibe ich länger an einem langweiligen Ort oder viel zu kurz an einem Interssanten. Vielleicht fliege ich dahin, wo schon Tausende vor mir waren oder dorthin, wo auch niemand nach mir mehr hin will. Vielleicht komme ich nie wieder zurück – oder schon nach vier Wochen.

Was Andere davon halten? Fuck it! Hopefully.

Autor: BuzzT1985

Highwayman, sailor, dam builder, starship captain, lawyer, still alive

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